Langnese Werbung ist unter allen Werbungen der Medienbranche etwas ganz Besonderes. Jeder verbindet bestimmte Gefühle mit der kultigen Eiswerbung. Songs wie „Like Ice in the Sunshine“ oder „So schmeckt der Sommer“ sind Abbilder der Eissorten von Langnese geworden. Aber nicht nur das, auch Sommer, Sonne, Strand und Meer sind Assoziationen mit Eis und der Marke Langnese.
Langnese Werbung hat in den letzten Jahren eine sehr große Entwicklung durchgemacht. Früher warb die Eismarke mit einem „Happy Sonnenschein-Spot“ nach dem anderen, heute besticht sie eher durch grandiose Kreativität und erotische Anspielungen. Die Verbraucher sind einmal gespannt auf die neue Werbung in diesem Sommer….
Die Langnese Werbung war Jahre lang von Gute-Laune Musik wie „Like Ice in the Sunshine“ geprägt und zeigte immer wieder tollende Kinder und gut gelaunte Eltern am Strand in der Sonne. Junge Frauen und Männer zeigten sich mit braungebrannten Körpern und präsentierten den Zuschauern Eis schon zu diesem Zeitpunkt durchaus als etwas Erotisches. Cliquen genossen die Tage am Strand und planschten wild im Meer herum. Ein Bild, dass sich auf die heutig Zeit nicht mehr all zu gut übertragen lässt. Nachdem Leitbilder wie glückliche Familien immer mehr in den Hintergrund gedrängt werden und auch Freizeit in unserer immer mehr fordernden Gesellschaft eher Mangelware wird, verlegen sich auch die Werbungen von Langnese immer mehr auf die Stadt. Nun wird das Eis zum Symbol der Erholung in der Welt des Stresses. Die Produkte sind hier soviel wie der Anker auf hoher See. Mit der Zeit ändern sich eben doch in unserem Lebensstil zu viele Faktoren, dass auch die erfolgreichsten Konzepte irgendwann überdacht werden müssen. Die Langnese Cremissimo Werbungen spielen zum Beispiel im übertragenden Sinne auf eine multikulturelle Gesellschaft an. Afrikanische Rhythmen werden von Dschungelbildern unterlegt, aber auch die Liebe und Leidenschaft spielen hier wieder eine Rolle. Die Verbindung zwischen Leidenschaft und kulinarischem Genuss wird bei Langnese immer mehr in den Vordergrund gestellt.
Die Langnese Magnum Werbung besticht seit Jahren durch erotische Merkmale. Leidenschaftlich ist das „Knacken“ der Schokoladenhülle zu einem der Erkennungsmerkmale von Magnum geworden. Schauspielerinnen wie Eva Longoria posieren lasziv mit der Eiscreme vor den Kameras. Nachdem es immer mehr sexy Werbespots des Langnese Eises gab, erreichte der Hersteller dann mit der limitierten Edition von den „7 Todsünden“ den Höhepunkt sexueller und moralischer Vergleiche. Die Magnum Sorten mit den Namen wie „Habgier“ oder „Wollust“ gerieten schnell in die Kritik, denn religiöse Menschen und Verbraucher fühlten sich diskriminiert und ins Lächerliche gezogen. Doch Langnese wollte viel mehr eine provokante Anspielung auf die täglichen Sünden machen, als der Werbung einen religionsverachtenden Anstrich zu verpassen. Die Schokolade als Sünde zu bezeichnen ohne dabei mit religiösen Leuten in Konflikte zu geraten, sollte auch meiner Meinung nach in einer Zeit, in der Kalorien gezählt werden wie Kleingeld, durchaus auf Verständnis stoßen.
Oktober 19th, 2010 um 20:34
Das Versagen von Langnese - vom Lebensgefühl einer Generation zum snobistischen Kitsch ohne Herz.
Man muss sich einmal vorstellen, was für einen unfassbaren, im Grunde unverzeihlich dummen Fehler Langnese vor einigen Jahren gemacht hat. Die Marke Langnese hatte einmal einen Status, wie fast keine andere Marke in Deutschland hatte - und das AUFGRUND IHRER WERBUNG. So einen Status erreichen heute noch nicht einmal Kinofilme. Man ging ins Kino und FREUTE sich auf die Langnese Werbung. Das muss man sich einmal vorstellen – Jugendliche werden das nicht nachvollziehen können. Die Musik, das “Feeling”, alles stimmte. Langnese war der Inbegriff von Sommer und Coolness. All das hat man über Board geworfen. Freiwillig, ohne Not – aus purer Ignoranz. Angefangen hatte das alles mit der Änderung des Logos. Wenn man sich im Netz einmal umsieht, so kann man sich vor nacktem HASS über das “neue” Logo kaum mehr schützen. Und das nach so VIELEN JAHREN nachdem man das alte Logo einfach vernichte,was für eine unglaubliche Postion das Logo bei den Menschen hatte – es stand für alles, was den Sommer ausmachte, den Spaß, die Coolness von Langnese. All das wurde uns genommen – weil ein paar schwachsinnige Idioten im Marketing der Meinung waren, es muss etwas Neues her. Dann kam der nächste Fehltritt: die Magnum Werbung, die nicht cool und nicht lustig, dafür snobistisch, vollkommen übertrieben und “tuntig” daherkam. Man ist peinlich berührt. Und was ist mit dem “Like Ice in the Sunshine” Hit? Man hat ein paar traurige Versuche gemacht, das Lied in einem peinlichen Remake wieder aufleben zu lassen und ins Kino zu bringen, was den Schmerz nur noch größer gemacht hat.. Mit den No Angels…und wer war da noch? Und was liest man bei youtube, wenn man sich den original Spot ansieht? Man sieht Liebesbekundungen der Menschen, die noch immer die Zeit nicht vergessen haben, als Langnese cool war, mehr noch, ein Lebensgefühl. All das hat Langnese Stück für Stück systematisch zerstört, wohlgemerkt: nicht notgedrungen, sondern aus einer inneren Arroganz und vor allem Ignoranz heraus. Mir geht es da wie Hella von Sinnen, die vor ein paar Jahren vor einem Millionenpublikum einmal sagte “sie würde das Grauen bekommen, wenn sie das neue Langnese Logo sehe”…noch schlimmer kann man es als Firma wohl nicht machen. Jedenfalls fühle ich mich von Langneese um ein Stück meiner Kindheit beraubt, vor den Kopf gestoßen nach dem Motto: “Hier – es ist uns egal, was Du denkst – wir haben dir deinen Lieblingsteddy genommen, darauf herumgetrampelt und ihn mit Dreck beschmiert – aber nun nimm ihn wieder und knuddel ihn”
Für mich hat Langnese so katastrophal versagt, wie es nur Coca Cola in den 80ern geschafft hat, als man das Rezept veränderte. kein Mensch freut sich mehr auf den neuen Sommerspot von Langnese. Es wird uns wieder ein bedeutungsloser, aufgestylter Mist aufgetischt werden, wie es schon in den vergangenen 10 Jahren der Fall war.
Als Dozent einer Hochschule führe ich die Werbe- und Marketingstrategie von Langnese stets als Fallbeispiel einer Duppelstunde auf, um zu verdeutlichen, wie man als Firma allein aufgrund der falschen Werbestrategie einen “Kultstatus” unwiederbringlich vernichten kann. Und als Fan trauere ich stets, wenn ich das unerträgliche rote Logo im Kino sehe.